Wie Sie Lavendel vermehren: Stecklinge, Samen und Teilung

Ein Lavendel im Garten bringt mediterranes Flair mit seinem einzigartigen Duft und seinen prächtigen Blüten in Blau, Violett oder Weiß und ist eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten. Wer seinen Bestand erweitern oder bestimmte Sorten erhalten möchte, kann Lavendel erfolgreich vermehren. Die gängigsten Methoden hierfür sind das Ziehen von Stecklingen, die Aussaat von Samen und in manchen Fällen auch die Teilung der Mutterpflanze. Das Wichtigste in Kürze

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Lavendel lässt sich am einfachsten und sortenrein durch Stecklinge vermehren.
  • Die besten Zeitpunkte für Stecklinge sind der Spätsommer (August/September) oder das zeitige Frühjahr (März/April).
  • Lavendelsamen sind Kalt- und Lichtkeimer, die eine Kälteperiode benötigen und nur sehr leicht mit Erde bedeckt werden sollten.

Wie lässt sich Lavendel vermehren?

Die Vermehrung von Lavendel ist eine lohnende Aufgabe für Gartenliebhaber, die ihre duftenden Pflanzen erweitern möchten, und bietet verschiedene Ansätze, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Jede Methode hat ihre eigenen Besonderheiten und ist für unterschiedliche Ziele geeignet, sei es die sortenreine Nachzucht oder die Gewinnung einer größeren Anzahl neuer Pflanzen aus Samen.

Die drei gängigsten Methoden im Überblick

Lavendel kann hauptsächlich auf drei Arten vermehrt werden: durch Stecklinge, aus Samen und durch Teilung. Die Stecklingsvermehrung ist besonders beliebt, da sie es ermöglicht, die genetischen Eigenschaften der Mutterpflanze zu erhalten und somit sortenreine Nachkommen zu erzielen. Diese Methode ist in der Regel unkompliziert und ist oft erfolgreich, wenn die richtigen Schritte beachtet werden. Die Anzucht aus Samen hingegen erfordert oft mehr Geduld und spezielle Bedingungen, liefert aber eine große Anzahl an Jungpflanzen. Die Teilung einer ausgewachsenen Pflanze ist ebenfalls eine Möglichkeit, wird aber seltener angewandt und ist nicht für alle Lavendelsorten ideal.

Vorteile der Stecklingsvermehrung

Die Vermehrung durch Stecklinge hat den Vorteil, dass die Jungpflanzen exakt die gleichen Eigenschaften wie die Mutterpflanze besitzen. Dies ist besonders wichtig, wenn Sie eine bestimmte Sorte mit einer besonderen Blütenfarbe oder einem spezifischen Wuchs erhalten möchten. Im Gegensatz zur Samenanzucht, bei der es zu Abweichungen kommen kann, garantiert der Steckling eine sortenreine Nachzucht. Zudem ist der Prozess oft schneller und die Bewurzelung unkomplizierter, was ihn zu einer bevorzugten Methode für viele Gärtner macht. Sie erhalten schneller blühfähige Pflanzen, die robust sind.

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Frau schneidet im Spätsommer Lavendel-Stecklinge für die Vermehrung im Bodenseegarten.

Wann ist der ideale Zeitpunkt für Lavendel-Stecklinge?

Der richtige Zeitpunkt für das Schneiden und Einsetzen von Lavendel-Stecklingen ist wichtig für den Erfolg der Vermehrung, da das Pflanzenwachstum in bestimmten Phasen besonders aktiv ist. Eine sorgfältige Planung sichert den Jungpflanzen die besten Startbedingungen für die Wurzelbildung und das weitere Gedeihen.

Spätsommer und Frühjahr als Hauptzeiten

Die besten Zeitpunkte für die Gewinnung von Lavendel-Stecklingen liegen im Spätsommer, idealerweise im August oder September, oder im zeitigen Frühjahr, etwa im März oder April. Im Spätsommer haben die Triebe ausreichend Kraft gesammelt und sind dennoch jung genug, um gut zu bewurzeln. Die Jungpflanzen, die im Spätsommer gewonnen werden, müssen allerdings über den Winter geschützt werden, etwa in einem Gewächshaus oder Frühbeetkasten. Dafür können sie dann schon im Frühling des Folgejahres ins Beet gesetzt werden, auch wenn die Ausfälle hier potenziell etwas höher sein können. Im Frühjahr hingegen profitieren die Stecklinge von der aufsteigenden Vegetationsperiode und der zunehmenden Wärme. Der Vorteil der Frühjahrsvermehrung ist, dass die Jungpflanzen nicht überwintert werden müssen, was den Pflegeaufwand reduziert. Sie entwickeln sich schnell und können, sobald sie gut durchwurzelt sind, im Frühsommer direkt ins Freiland gepflanzt werden.

Vermehrung im Sommer

Auch eine Vermehrung im Sommer, etwa im Juni, Juli oder August, ist für Lavendel-Stecklinge denkbar und erfolgreich. Zu dieser Zeit sind die Lavendelpflanzen in voller Blüte oder kurz davor, was die Auswahl geeigneter Triebe erleichtern kann. Wählen Sie blütenlose Triebe, um die Energie der Pflanze auf die Wurzelbildung zu lenken. Eine Vermehrung im Sommer gibt den Stecklingen ausreichend Zeit, um vor dem Einsetzen des Winters kräftige Wurzeln zu entwickeln. Dies erhöht ihre Überlebenschancen während der kalten Monate, falls sie im Freiland überwintern sollen.

Wie geht man bei der Lavendel-Stecklingsvermehrung vor?

Die Vermehrung von Lavendel durch Stecklinge ist ein relativ einfacher Prozess, der mit einigen grundlegenden Schritten zu einer erfolgreichen Nachzucht führen kann. Eine sorgfältige Vorbereitung und die richtige Pflege sind dabei wichtig, um die Bewurzelung zu fördern und kräftige Jungpflanzen zu erhalten.

Triebe auswählen und vorbereiten

Für die Stecklingsvermehrung wählen Sie am besten unverzweigte, blütenlose Triebe aus jüngerem Holz, das nicht zu weich ist, aber auch nicht vollständig verholzt. Die ideale Länge der Triebe liegt bei etwa 7 bis 10 Zentimetern. Sie können die Triebe entweder mit einer sauberen, scharfen Gartenschere direkt unter einem Blattknoten abschneiden oder sie vorsichtig abreißen. Wenn beim Abreißen ein kleiner Rindenstreifen an der Basis des Stecklings haften bleibt, kann dies die Wurzelbildung zusätzlich fördern. Nachdem Sie die Triebe gewonnen haben, entfernen Sie alle Blätter im unteren Drittel des Stecklings. Dies verhindert Fäulnis, sobald der Steckling in die Erde gesteckt wird, da keine Blätter im feuchten Substrat liegen sollen.

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Das richtige Substrat und die Anzucht

Bevor Sie die vorbereiteten Stecklinge einpflanzen, können Sie die Schnittstelle optional in Bewurzelungspulver oder Wachstumshormone tauchen. Dies ist kein Muss, kann aber den Anwachserfolg deutlich erhöhen und die Wurzelbildung beschleunigen, besonders bei Sorten, die etwas zögerlicher wurzeln. Die Stecklinge werden dann etwa 3 Zentimeter tief senkrecht in ein spezielles Anzuchtsubstrat gesteckt. Eine Mischung aus Anzuchterde und Sand im Verhältnis 1:1 oder 2:1 ist geeignet, da dieses Gemisch nährstoffarm, keimfrei und besonders gut durchlässig ist. Ein nährstoffarmes Substrat zwingt die Pflanze, selbst Wurzeln zur Nährstoffsuche zu bilden. Das Substrat sollte nach dem Einsetzen der Stecklinge gut angefeuchtet werden, aber keinesfalls zu nass sein. Vermeiden Sie Staunässe, da sie zu Schimmelbildung und dem Absterben der Stecklinge führen kann. Für die Bewurzelung decken Sie das Anzuchtgefäß mit einer transparenten Haube, einer Folie oder einer Plastiktüte ab. Stellen Sie das Gefäß an einen warmen, hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Eine ideale Temperatur liegt zwischen 18 und 22 °C.

Pflege und Umsetzen der Jungpflanzen

Um Schimmelbildung unter der Abdeckung vorzubeugen, Lüften Sie das Anzuchtgefäß täglich für einige Minuten. Überprüfen Sie dabei auch die Feuchtigkeit des Substrats und befeuchten Sie es bei Bedarf leicht mit einer Sprühflasche. Nach etwa 4 bis 6 Wochen beginnen sich in der Regel die ersten Wurzeln zu bilden. Dies können Sie oft an neu austreibenden Blättern oder einem leichten Widerstand beim vorsichtigen Ziehen am Steckling erkennen. Sobald die Stecklinge gut bewurzelt sind, können sie einzeln in größere Töpfe mit normaler Kräutererde umgesetzt werden. Um eine kompakte Wuchsform und eine gute Verzweigung der jungen Lavendelpflanzen zu fördern, Stutzen oder kürzen Sie die Triebspitzen nach dem Anwachsen mehrmals leicht. Dies regt die Pflanze an, sich buschiger zu entwickeln. Im darauffolgenden Frühjahr, etwa im Mai des Folgejahres, können die im Spätsommer gewonnenen Lavendelpflanzen ins Freiland oder in Balkonkästen gepflanzt werden. Bei Stecklingen, die im Frühjahr gezogen wurden, empfiehlt es sich, bis zum Frühsommer zu warten, bis die Töpfe gut durchwurzelt sind, bevor sie ihren endgültigen Platz im Garten erhalten.

Deutsche Gärtnerin säet Lavendel-Samen im Frühjahr aus, um Pflanzen zu vermehren.

Kann man Lavendel auch aus Samen ziehen?

Die Vermehrung von Lavendel aus Samen ist eine interessante Alternative zur Stecklingsmethode, besonders wenn Sie viele Pflanzen benötigen oder mit verschiedenen Sorten experimentieren möchten. Beachten Sie hierbei einige Besonderheiten, die den Prozess von der Aussaat bis zur Keimung beeinflussen.

Besonderheiten von Lavendelsamen

Lavendelsamen sind als Licht- und Kaltkeimer bekannt. Das bedeutet, sie benötigen Licht zur Keimung und müssen eine Kälteperiode durchlaufen, um ihre Keimruhe zu brechen. Dies simuliert die natürlichen Bedingungen, unter denen die Samen im Freiland überwintern und im Frühjahr keimen würden. Daher Bedecken oder drücken Sie die Samen nach der Aussaat nur sehr leicht mit Erde an, damit das Licht an sie herankommt.

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Aussaat im Freiland oder im Haus

Für winterharte Lavendelsorten können die Samen im Herbst direkt im Freiland ausgesät werden. Die natürliche Kälte des Winters übernimmt dann die Stratifizierung, und die Samen keimen im nächsten Frühjahr. Bei frostempfindlichen Arten oder wenn Sie die Kontrolle über den Keimprozess behalten möchten, ist eine Aussaat im Haus ratsam. Hier können Sie die Kälteperiode auch künstlich herbeiführen, indem Sie die Samen für etwa zwei Wochen auf feuchtem Sand im Kühlschrank lagern (Stratifizierung). Nach dieser Kältebehandlung werden die Samen dann im Haus ausgesät. Wichtig ist dabei, das Abdecken mit Folie zu vermeiden, da dies zu hoher Luftfeuchtigkeit und Fäulnis führen kann. Stattdessen sollten Sie das Substrat regelmäßig mit einer Sprühflasche befeuchten, um es gleichmäßig feucht zu halten. Frostempfindliche Arten sollten erst nach den Eisheiligen ausgesät werden, um Spätfröste zu vermeiden.

Sortenreinheit und Hybriden

Ein wichtiger Aspekt bei der Vermehrung aus Samen ist die Sortenreinheit. Bei einigen Lavendelarten können die aus Samen gezogenen Pflanzen leichte Abweichungen von der Mutterpflanze aufweisen, insbesondere wenn es sich um Hybriden handelt. Hybride Sorten, wie der beliebte Provence-Lavendel (Lavandula x intermedia), sind in der Regel steril und bilden keine keimfähigen Samen. Das bedeutet, sie können nicht über Samen vermehrt werden und müssen zwingend vegetativ, also durch Stecklinge, nachgezogen werden, um ihre spezifischen Eigenschaften zu erhalten. Wenn Sie also eine exakte Kopie Ihrer Lieblingssorte wünschen, ist die Stecklingsvermehrung die sicherere Wahl.

Häufige Fragen zur Lavendel-Vermehrung

Funktioniert die Bewurzelung im Wasserglas?

Die Bewurzelung von Lavendel-Stecklingen in einem Wasserglas ist im Vergleich zur Methode in Anzuchterde in der Regel nicht erfolgreich, da die Stecklinge im Wasserglas eher dazu neigen zu welken oder zu faulen, anstatt stabile Wurzeln zu bilden. Das feuchte Milieu im Substrat, kombiniert mit der richtigen Belüftung, fördert eine robustere Wurzelentwicklung. Ich rate Ihnen daher, die Stecklinge direkt in ein geeignetes Substrat zu pflanzen, um die besten Erfolgschancen zu haben.

Gibt es Tipps für eine höhere Erfolgsquote?

Um die Erfolgsquote bei der Lavendel-Vermehrung zu erhöhen, gibt es einige bewährte Tricks. Achten Sie auf sauberes Arbeitsmaterial, um die Übertragung von Krankheiten zu vermeiden. Verwenden Sie stets frische, gesunde Triebe ohne Blütenansätze und entfernen Sie die unteren Blätter sorgfältig. Ein nährstoffarmes, gut durchlässiges Substrat ist entscheidend, um Staunässe vorzubeugen und die Wurzelbildung anzuregen. Das Eintauchen der Schnittstelle in Bewurzelungspulver kann die Bewurzelung zusätzlich fördern. Sorgen Sie für ein warmes, helles Klima ohne direkte Sonne und lüften Sie das Anzuchtgefäß täglich, um Schimmelbildung zu verhindern. Geduld ist im Garten keine Tugend, sondern eine Technik; geben Sie den Stecklingen die nötige Zeit.

Alternative Nutzung von Haushaltsmaterialien?

Ja, es gibt eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, alltägliche Haushaltsmaterialien für die Anzucht von Lavendel-Stecklingen zu nutzen. Leere Rollen von Küchenpapier können hervorragend als biologisch abbaubare Anzuchttöpfe verwendet werden. Schneiden Sie die Rollen in passende Stücke und füllen Sie diese mit Ihrem Anzuchtsubstrat. Die Stecklinge können darin optimal wurzeln. Wenn die Jungpflanzen groß genug sind, können Sie sie mitsamt der Papprolle in einen größeren Topf oder direkt ins Beet pflanzen. Die Pappe zersetzt sich im Boden und liefert dabei noch Nährstoffe, ohne die Wurzeln zu stören.

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