Aktualisiert am 27. Juni 2026
Der Bodensee, mit seinen einzigartigen klimatischen Bedingungen und der malerischen Kulisse des alpinen Voralpenraums, bietet eine wunderbare Grundlage für vielfältige Naturgärten. Rankpflanzen sind hier eine fantastische Bereicherung, denn es gibt weit über 200 verschiedene Arten, die sich vielseitig einsetzen lassen, von der Fassadenbegrünung bis zur Schaffung neuer Lebensräume für Tiere.
Sie können Zäune, Pergolen oder Wände in lebendige grüne Oasen verwandeln, ästhetisch ansprechen und gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz und zur Artenvielfalt leisten. Die Wahl der richtigen Kletterpflanze hängt dabei maßgeblich von den spezifischen Standortbedingungen wie Sonne oder Schatten und der Beschaffenheit des Bodens ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Rankpflanzen verschönern Gärten, Fassaden und Balkone, bieten Sichtschutz und verbessern das Mikroklima durch Temperaturregulierung und Sauerstoffproduktion.
- Die Waldrebe (Clematis) ist eine beliebte Wahl für sonnige Standorte, während Efeu (Hedera helix) und Knöterich (Persicaria) sich hervorragend für schattige Bereiche eignen.
- Die Auswahl der Kletterhilfe, wie Rankgerüste oder Seile, ist entscheidend und muss auf die spezifische Klettertechnik der Pflanze abgestimmt sein, um ein optimales Wachstum zu gewährleisten.
Inhaltsverzeichnis
ToggleKletter- und Rankpflanzen: Was ist der Unterschied?
Wenn wir von „Kletterpflanzen“ sprechen, meinen wir eigentlich eine große Familie von Pflanzen, die sich unterschiedlich fortbewegen, um in die Höhe zu wachsen. Botanisch gehören Rank- und Schlingpflanzen zu den Gerüstkletterern, was bedeutet, dass sie auf einen stützenden Unterbau angewiesen sind. Der entscheidende Unterschied liegt in ihrer Kletterstrategie: Rankpflanzen entwickeln spezielle Rankorgane, kleine Fäden oder Stiele, mit denen sie sich selbstständig an hervorstehenden Unterlagen, Drähten oder gitterförmigen Rankgerüsten festhalten. Diese Ranken bilden sich rechts und links vom Spross und ermöglichen es der Pflanze, sich in verschiedene Richtungen auszubreiten.
Schlingpflanzen hingegen besitzen keine solchen Kletterorgane. Sie nutzen eine andere Technik, um sich nach oben zu winden: Sie umschlingen eine senkrechte Stütze, beispielsweise einen Pfahl, ein Seil oder auch andere Pflanzen. Ihre natürliche Drehrichtung (im oder gegen den Uhrzeigersinn) muss beim Anbinden beachtet werden, da sie sonst keinen Halt finden. Spreizklimmer, wie Kletterrosen oder Brombeeren, spreizen ihre stabilen Triebe in ein Gittergeflecht.
Sie benötigen oft eine zusätzliche Befestigung, beispielsweise mit Bindedraht, um stabil zu bleiben. Ein Selbstklimmer wie Efeu oder Kletterhortensie klettert wiederum mit Haftwurzeln oder Haftscheiben selbstständig an der Wand hoch.

Die vielfältigen Vorteile von Rankpflanzen im Naturgarten
Rankpflanzen sind wahre Multitalente und bieten im Naturgarten rund um den Bodensee viele ökologische Vorteile. Sie verbessern das Mikroklima erheblich, indem sie die Luftqualität durch die Absorption von Schadstoffen und die Produktion von Sauerstoff verbessern. An heißen Sommertagen sorgt ihre Verdunstungskühlung für eine spürbare Senkung der Umgebungstemperatur, und der von ihnen gespendete Schatten hilft, Gebäude kühler zu halten. Eine grüne Fassade kann sogar leicht isolierend und schalldämmend wirken, was den Wohnkomfort erhöht.
Darüber hinaus sind Rankpflanzen unverzichtbare Lebensräume und Nahrungsquellen für Insekten, Vögel und andere Kleintiere. Eine üppig bewachsene Pergola oder ein grüner Zaun wird schnell zu einem wichtigen Bestandteil der lokalen Biodiversität, bietet Nistplätze und Nahrung für Bestäuber. Viele Arten, wie beispielsweise das Geißblatt, sind besonders attraktiv für Schmetterlinge und Bienen. Einige Kletterpflanzen tragen sogar Früchte, wie verschiedene Kiwi-Sorten, die auch für den heimischen Anbau geeignet sind. Sie können auch als Bodendecker eingesetzt werden, um Hänge und Böschungen zu stabilisieren und Bodenerosion zu verhindern.
Grüner Sichtschutz und ästhetische Gestaltung
Neben ihren ökologischen Funktionen sind Rankpflanzen auch gestalterisch ein Gewinn. Ein Zierzaun oder eine Pergola, die mit Rankpflanzen begrünt werden, schaffen eine ästhetisch ansprechende Optik und bieten zugleich natürlichen Schatten und wertvollen Sichtschutz. Immergrüne Arten wie Efeu sorgen das ganze Jahr über für Privatsphäre.

Rankpflanzen für sonnige Standorte am Bodensee
Für Standorte am Bodensee, die von der Sonne verwöhnt werden, gibt es eine reiche Auswahl an Rankpflanzen, die mit ihrer Blütenpracht oder ihrem Wuchs beeindrucken. Die Waldrebe (Clematis) ist eine der beliebtesten Rankpflanzen für sonnige Lagen. Sie ist an sommerliche Temperaturen und viel Licht gewöhnt, hat aber eine Besonderheit: Ihre Wurzeln bevorzugen es schattig und kühl.
Eine Unterpflanzung mit Silberraute, Golderdbeere oder kleinem Frauenmantel hilft dabei, diesen Anspruch zu erfüllen. Clematis-Sorten wie ‚Jackmanii‘, ‚Duchess of Edinburgh‘ oder ‚Nelly Moser‘ können bis zu sechs Meter hoch wachsen und bieten eine üppige Blütenpracht.
Einjährige Rankpflanzen sind ideal, wenn Sie schnell Resultate erzielen möchten und eine saisonale Begrünung bevorzugen. Die Schwarzäugige Susanne (Thunbergia alata) ist hier eine gute Wahl. Sie blüht von Juli bis Oktober mit gelb-orangenen Blüten und einem markanten schwarzen Fleck, wächst bis zu 20 cm pro Woche und hat einen hohen Wasserbedarf.
Die Duftwicke (Lathyrus odoratus), die von Juni bis August blüht und bis zu 150 cm hoch wird, eignet sich für niedrigere Geländer, Mauern oder als rankende Balkonpflanze und duftet. Sie eignet sich auch wunderbar als Schnittblume für den Haustisch.
Weitere sonnenliebende Kletterpflanzen sind die Blaue Prunkwinde (Ipomoea), die bis zu 5 Meter hoch wird und Spaliere sowie Pavillons begrünt, sowie die Passionsblume (Passiflora) und die Glockenrebe (Cobaea scandens). Die Dipladenia (Mandevilla) mit ihren trompetenähnlichen Blüten gedeiht ebenfalls an sonnigen bis halbschattigen, warmen und windgeschützten Standorten, benötigt aber im Herbst einen Rückschnitt und eine frostfreie Überwinterung.
Rankpflanzen für schattige Ecken und Lagen
Auch schattige Bereiche im Garten müssen nicht kahl bleiben; es gibt zahlreiche Rankpflanzen, die sich dort wohlfühlen und für grünes Leben sorgen. Der Gewöhnliche Efeu (Hedera helix) ist hier ein Klassiker. Er ist immergrün, sehr unkompliziert, benötigt nur mäßiges Wässern und kann bis zu 20 Meter hoch wachsen.
Efeu ist eine zeitlose und langlebige Kletterpflanze, die sich auch gut als rankende Balkonpflanze für Ostbalkone eignet. Wenn Sie einen robusten und blühenden Schattenspender suchen, ist der Schlingknöterich (Persicaria) eine gute Wahl. Er ist enorm anspruchslos, gedeiht an praktisch jedem Standort und blüht zwischen Juli und September mit filigranen Blüten.
Knöterich kann bis zu 15 Meter hoch und etwa 6 Meter breit werden und ist somit ideal für die Begrünung großer Flächen oder schattiger Pavillons.
Weitere empfehlenswerte Rankpflanzen für den Schatten sind der Wilde Wein (Parthenocissus quinquefolia), die Kletterspindel (Euonymus fortunei) und die Kletterhortensie (Hydrangea petiolaris). Diese Pflanzen bringen Struktur und Grün in dunklere Gartenbereiche, wo andere Gewächse sich schwertun würden. Sie gedeihen auch an unerwarteten Stellen üppig und verleihen dem Naturgarten Tiefe.
Die richtige Rankhilfe wählen und installieren
Die Wahl der passenden Rankhilfe ist für das Gedeihen von Rank- und Schlingpflanzen entscheidend. Für Rankpflanzen, die mit ihren Ranken Halt suchen, eignen sich Rankgerüste mit rauen Oberflächen am besten. Die Sprossen der Rankhilfe sollten nicht dicker sein als die Ranken der Pflanze selbst, damit diese gut zugreifen kann. Ein Rankgerüst mit Längs- und Querverstrebungen oder einem diagonalen Muster ermöglicht es der Pflanze, sich in alle Richtungen auszubreiten und optimal zu entfalten.
Schlingpflanzen hingegen, die sich um eine Stütze winden, bevorzugen runde, stabförmige Rankhilfen oder Seile. Bei der Wandbegrünung muss die Kletterhilfe einen ausreichenden Abstand zur Wand haben, damit die Triebe genug Platz zum Winden finden. Bedenken Sie auch, dass mehrjährige Schlinger wie Blauregen (Wisteria) mit den Jahren enorme Kräfte entwickeln können; sie könnten Holzbalken oder Fallrohre zerquetschen.
Daher müssen die potenziellen Ausmaße und die benötigte Stabilität der Rankhilfe vor der Anschaffung bekannt sein. Die Konstruktion muss umso stabiler sein, je stärker das Dickenwachstum der Pflanze ist. Spreizklimmer wie Kletterrosen oder Brombeeren benötigen ein sehr stabiles Gittergeflecht und oft zusätzliche Befestigungen mit Bindedraht.
Einjährige oder mehrjährige Kletterkünstler?
Die Entscheidung zwischen einjährigen und mehrjährigen Rankpflanzen hängt von Ihren Zielen und der gewünschten Pflegeintensität ab. Einjährige Rankpflanzen wie die Schwarzäugige Susanne, Duftwicke oder Glockenrebe sind schnellwüchsig und blütenreich, was sie ideal für die Sommerbegrünung von Balkonen und Terrassen macht. Sie sterben im Winter ab und müssen im nächsten Frühjahr neu gepflanzt werden. Dies bietet die Flexibilität, jedes Jahr ein neues Erscheinungsbild zu schaffen und verschiedene Pflanzen auszuprobieren. Ihre unkomplizierte Art und die schnelle Wirkung machen sie zu einem Favoriten für saisonale Akzente.
Mehrjährige Rankpflanzen eignen sich für die langfristige Gestaltung Ihres Gartens. Arten wie Waldrebe (Clematis), Geißblatt (Lonicera), Akebie (Akebia), Blauregen (Wisteria) oder Efeu (Hedera helix) bleiben über viele Jahre bestehen und entwickeln mit der Zeit eine beeindruckende Fülle. Sie sind ideal für die Begrünung von Pergolen, Fassaden oder größeren Zäunen, wo ein dauerhafter Sichtschutz und eine nachhaltige Ästhetik gewünscht sind.
Bei mehrjährigen Schlingern müssen die Wuchsrichtung und die potenziellen Ausmaße genau bekannt sein, um ein Überwuchern von Strukturen zu vermeiden. Obwohl sie anfangs mehr Planung und stabilere Rankhilfen erfordern, belohnen sie mit einer beständigen und sich mit den Jahreszeiten entwickelnden Schönheit.
FAQ
Welche Rankpflanzen sind ideal für einen schnell wachsenden Sichtschutz am Bodensee?
Für einen schnell wachsenden Sichtschutz eignen sich einjährige Rankpflanzen wie die Schwarzäugige Susanne (Thunbergia alata) besonders gut, da sie bis zu 20 cm pro Woche wachsen. Die Blaue Prunkwinde (Ipomoea) erreicht ebenfalls schnell eine Höhe von bis zu 5 Metern und bietet eine beeindruckende vertikale Begrünung. Für mehrjährige, immergrüne Lösungen ist der Gewöhnliche Efeu (Hedera helix) eine sehr unkomplizierte Wahl, der bis zu 20 Meter hoch werden kann.
Welche Kletterhilfe brauche ich für Rankpflanzen?
Rankpflanzen benötigen Rankgerüste mit rauen Oberflächen und Sprossen, die nicht dicker sind als die Ranken der Pflanze, damit sie gut Halt finden. Ein Gerüst mit Längs- und Querverstrebungen oder einem diagonalen Muster ist ideal. Schlingpflanzen hingegen brauchen runde, stabförmige Rankhilfen oder Seile. Für die Wandbegrünung sollte die Kletterhilfe ausreichend Abstand zur Wand haben.
Kann ich Rankpflanzen auch auf dem Balkon verwenden?
Ja, viele Rankpflanzen eignen sich hervorragend für Balkone und Terrassen. Einjährige Arten wie die Schwarzäugige Susanne oder die Duftwicke (Lathyrus odoratus) sind beliebt für die Sommerbegrünung. Für schattige Balkone, beispielsweise auf der Ostseite, kann Efeu (Hedera helix) als rankende Balkonpflanze verwendet werden. Auch der Winterjasmin (Jasminum nudiflorum) ist eine winterharte Option für Rankgitter auf Balkonen.
Welche ökologischen Vorteile bieten Rankpflanzen im Garten?
Rankpflanzen verbessern die Luftqualität, indem sie Schadstoffe absorbieren und Sauerstoff produzieren. Sie senken die Umgebungstemperatur an heißen Tagen durch Verdunstungskühlung und Schattenwirkung. Zudem schaffen sie wichtige Lebensräume und Nahrungsquellen für Insekten, Vögel und andere Tiere, was zur Förderung der Biodiversität im Naturgarten beiträgt. Einige Arten stabilisieren auch Hänge und Böschungen und verhindern Bodenerosion.
Müssen Rankpflanzen überwintert werden?
Das hängt von der Art der Rankpflanze ab. Einjährige Rankpflanzen wie die Schwarzäugige Susanne sterben im Winter ab und müssen im nächsten Frühjahr neu gepflanzt werden. Mehrjährige und winterharte Rankpflanzen wie Efeu, Waldrebe oder Knöterich bleiben im Winter im Garten. Frostempfindliche Arten wie die Dipladenia (Mandevilla) benötigen im Herbst einen Rückschnitt und eine frostfreie Überwinterung in einem geschützten Raum.





